Der enorme Schaden, den Wühlmäuse anrichten, kann sich incl. Folgekosten auf mehrere hundert Euro ja Hektar belaufen. Besonders problematisch sind dabei die Qualitätsverluste im Futter. Gerade der wertvolle erste Schnitt leidet unter Verschmutzung. Die geschädigten Stellen in der Narbe bieten außerdem Einfallpforten für Unkräuter wie Großblättrigen Ampfer und Gemeine Rispe.
Eigentlich ist es am effektivsten Wühlmäuse im Herbst zu bekämpfen, damit die Grasnarbe Zeit hat sich vor der neuen Vegetationsperiode zu erholen. Nach dem milden, fast frostfreien Winter 2014/2015 zeigen allerdings vielerorts Wiesen, aber vor allem auch Weiden und Streuobstwiesen in einem katastrophalen Zustand.
Waren auf den Flächen zusätzlich noch Wildschweine unterwegs, bliebt kaum etwas anderes übrig als eine Bearbeitung mit der Kreiselegge und anschließende Neuansaat. Das grundsätzliche Problem löst man so aber natürlich nicht. Also sind neben kurzfristigen Sofortmaßnahmen längerfristige Strategien gefragt.
1. Sofortmaßnahmen:
Im zeitigen Frühjahr, solange das Nahrungsangebot knapp ist, hat man noch einmal eine gute Chance die Nager zu bekämpfen, weil sie nun Fallen und Köder gut annehmen. Diese Methode ist aber arbeitsintensiv, teuer und nur auf kleineren Flächen, wie in Obstgärten und evtl. auf Streuobstwiesen möglich.
Der Einsatz von Gift ist aus verschiedenen Gründen problematisch. Die zugelassenen Mittel sind auch für Menschen (und Haustiere) nicht ungiftig und müssen daher streng nach Gebrauchsanweisung eingesetzt werden. Eine Absprache mit den Bewirtschaftern der angrenzenden Flächen ist zu empfehlen, da die Mäuse sonst von dort schnell wieder einwandern. Die Tiere sind leider nicht dumm und entwickeln oft innerhalb von Tagen eine regelrechte Köderscheu.
Eine gute Pflege und häufige Nutzung des Grünlandes gilt eigentlich als die beste Vorsorge. Frühzeitige und häufige Schnittnutzung nimmt den Tieren die Deckung. Weidereste sollten regelmäßig gemulcht werden und die Bestände mit max. 10 – 12 cm in die Winterruhe gehen.
Auch intensive Beweidung wird immer wieder Vorbeugemaßnahme empfohlen. Manchmal wird sogar behauptet, die Weide würde die Mäuse verdrängen, die Tiere würde abwandern. Leider ist dies aber nicht für alle Betriebe und / oder Flächen eine Alternative. Außerdem zeigt sich gerade in diesem Frühjahr, dass diese Empfehlung nicht mit Sicherheit wirkt. Auch intensiv genutzte und im späten Herbst noch einmal überweidete Flächen weisen deutliche Mäuseschäden auf. Evtl. haben sich die Tiere aus den sehr nassen, wassergesättigten Böden im Winter gezielt auf trockenere Standorte zurückgezogen.
Das Grünlandumbruchverbot erlaubt es leider nicht, solche Flächen für ein oder zwei Jahre als Acker zu nutzen. Umbruch und direkt anschließende Neuansaat von Grünland dürften zwar kein Problem sein, ziehen aber massive Ertragseinbußen im aktuellen Jahr nach sich und sind keine Dauerlösung.
Was bleibt ist eigentlich nur noch eine gezielte und auf Dauer angelegte Förderung der Fraßfeinde. Die sind bei einer Wühlmausschwemme zwar auch machtlos, helfen aber langfristig dabei, dass Problem im Griff zu behalten.
Der beste Verbündete im Kampf gegen Mäuse ist der Fuchs. Er fängt und frisst mehrere tausend Mäuse / Jahr.Auch viele Greifvögel leben hauptsächlich von Mäusen. Die Anlage von 3 bis 5 stabilen Sitzstangen pro ha ist nicht nur für den Winter sinnvoll. Sie sollten das ganze Jahr über stehen bleiben, wo immer es möglich ist. Optimal ist ein „Sitzkreuz“ in einer Höhe von 2,0 bis 2,5 m, damit die Tiere einen Rundumblick haben und sich im Sturzflug auf ihre Beute werfen können.
Oft sieht man Greifvögel auch auf Zaunpfählen usw. sitzen. Die Nutzung dieser suboptimalen Ansitze zeigt deutlich, wie notwendig und sinnvoll höher Ansitze sein können.
Eulen nehmen die Sitzstangen in der Regel nicht an, sie bevorzugen die Jagd von Bäumen aus. Nach den neuen Richtlinien werden Einzelbäume auf einer Fläche als LF gewertet und sind damit auch förderfähig. Natürlich sollten sie die Bewirtschaftung nicht nachhaltig stören, aber an Wegkreuzungen oder Gräben finden sie vielleicht einen sinnvollen Platz. Zusätzlich können Eulenkästen in der Scheune der akuten Nistplatznot Abhilfe schaffen. Bis zu 40 erlegte Mäuse pro Nacht sind er Dank für die Mühen. (Im / am Haus sind Eulenkästen übrigens nur etwas für Hard-Core-Fans der großen Vögel, da die Tiere während der Aufzucht der Jungen jede Nacht lauten Radau veranstalten.)
So sehr sich Angler und die Besitzer von Fisch- und Zierfischteichen auch über Graureiher ärgern, Landwirte sollten sich über ihre Anwesenheit freuen. Genau wie Störche jagen sie nämlich im Grünland nicht nur nach Fröschen, sondern auch nach den lästigen Nagern.
Die Landschaftselemente, die ja in diesem Winter mit viel Aufwand elektronisch erfasst und manuell „verifiziert“ wurden, sind hier übrigens endlich einmal nützlich: Hecken und Feldgehölze bieten z.B. einen Rückzugsort für Marder, Iltis und Wiesel, die von dort aus zur nächtlichen Mäusejagd aufbrechen.
Fazit: Neben mechanischen und chemischen Sofortmaßnahmen kann nur eine längerfristige Strategie dabei helfen, die Mäuseplage im Griff zu halten. Ganz Zurückdrängen lassen die Nager sich auf Dauer leider nicht.


Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen